11.05.2019

Meer


Schauspiel von Jon Fosse
Deutsche Erstaufführung


In Jon Fosses letztem Theaterstück kommen die Fäden seiner preisgekrönten Autorenschaft zusammen: Mit einer sprachlichen Virtuosität begegnen sich sechs Figuren an einem unbekannten Ort des Möglichen als auch zugleich Unmöglichen.

Ich bin der Kapitän. - Ich bin der Gitarrenspieler. Wie eine Beschwörungsformel wiederholen zwei Männer diese Sätze, als müssten sie sich ihrer selbst versichern. Der eine kommandiert ein Schiff, das es womöglich gar nicht gibt; der andere macht Musik, die niemand hört. Beide treiben sie auf einem Meer, das so real wie unwirklich ist, allgegenwärtig und abwesend zugleich, Ort und Nicht-Ort. Geisterhaft erscheinen bald andere Gestalten: ein junges Paar, ein älteres, vielleicht dasselbe zu verschiedenen Zeiten, vielleicht nur Halluzinationen: Menschen, die einander kennen oder zu kennen glauben, obwohl sie sich nie begegnet sind. Ein unendlich weiter Raum öffnet sich zwischen ihnen, in dem die Sprache zum Rauschen der Wellen wird - gleichförmig und unwirsch, beruhigend und bedrohlich - und das Sein, wie wir es kennen, allmählich mit sich fortträgt.