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06.04.2019 | Spiegelhalle

Widerspruch. Als Strafverteidiger in politischen Prozessen


Lesung mit Hartmut Wächtler


Wächtler berichtet spannend, fundiert und mit einer gepfefferten Prise Ironie von den ersten Verfahren während der 68er-Studentenproteste, von Prozessen gegen »Rädelsführer« wie Rolf Pohle, gegen Feministinnen wie Ingrid Strobl, Bürgerinitiativen (Wackersdorf), antiautoritäre Zeitschriften (das BLATT), gegen Kollegen, die Berufsverbote bekommen sollten, gegen Studenten, die sich mit der heftig braunen Vergangenheit ihrer Professoren beschäftigten, oder West- und Ostspione nach der Wiedervereinigung. Manche dieser Prozesse liefen bis zum Bundesverfassungsgericht. In fast allen Fällen waren es »Gesinnungen«, also nicht in erster Linie Taten, um die es ging, sondern um unbequeme oder radikale politische Haltungen, die dem konservativen Gesellschaftsbild von Polizei und/oder Gerichten zuwiderliefen.

Wächtler schreibt über die Prozesse gegen Feministinnen; gegen Studenten, die sich mit der braunen Vergangenheit ihrer Professoren befassten; gegen Kollegen, die Berufsverbote bekommen sollten. Wächtler ist dabei kein Agitator, er schreibt zwar bissig und gepfeffert, aber manchmal auch mit abgeklärter Nachsicht. Man erfährt viel über die Justiz in diesem Buch; es ist daher ehrlicher und lehrreicher, als es die ziselierten Strafrechts-Moritaten von Ferdinand von Schirach sind.Heribert Prantl, 16.09.18, Prantls Leseempfehlung – in Prantls Blick, dem wöchentlichen Newsletter der Süddeutschen Zeitung
… ›Das gute Gewissen der Linken in München‹ wird er gerne genannt … ein Leben in Gerichtsakten, das viel erzählt, von der Gesellschaft in Bayern und dem Widerstand …Samy Kalis im Gespräch mit Hartmut Wächtler, 25.09.18, Bayerischer Rundfunk II Zündfunk