11.04.2019 | Werkstatt

Zimmerschlacht


Übungsstück für ein Ehepaar von Martin Walser
REGIE: Birgit und Oliver Nolte (NOLTES THEATER)


Das hat etwas Apokalyptisches, Tina!

„Wie kann man überhaupt leben, und dann auch noch mit anderen?" Die Frage stammt von Martin Walser, beantwortet hat er sie in seinem Drama „Die Zimmerschlacht".

„Übungsstück für ein Ehepaar" hat Walser sein Drama genannt. Felix ist Erdkundelehrer, Tina Ärztin. Gearbeitet hat sie nur, als die Kinder noch nicht auf der Welt waren. Jetzt sind sie aus dem Haus. Und Felix und Tina schlittern in die Krise. Schuld daran ist eine Jüngere. Felix hat sie nur einmal kurz gesehen. Es ist die neue Frau seines engsten Freundes Benno, der seine Ehefrau verlassen hat. Felix ist hin und weg von der 24-jährigen Rosa. Sein bisheriges Leben stürzt ein wie ein Kartenhaus. Er überredet den gesamten Freundeskreis, die Party, auf der Benno seine Neue vorstellen möchte, zu boykottieren. Alle machen mit. Nur Tina, Felix Frau, erfährt erst direkt vor der Party von dem Plan. Es folgt eine Auseinandersetzung, die das Paar an seine Grenzen bringt.

„Tolle Figuren und eine geniale Sprache", sagen Birgit und Oliver Nolte über Walsers Zweiakter. „Die Zimmerschlacht" ist zwar schon über 50 Jahre alt - 1967 wurde das Drama, das Walser zunächst als Hörspiel konzipiert hatte, unter der Regie von Fritz Kortner in München uraufgeführt - doch in der Inszenierung von Birgit und Oliver Nolte hat es nichts von seiner Allgemeingültigkeit verloren. Die Fragen von damals sind die Fragen von heute. Es geht um Wahrheit und Selbstbetrug, um Liebe und um das, was ein Paar zusammenhält. Nach 20 Ehejahren müssen Felix und Tina der Wahrheit ins Gesicht sehen. „Dazu sind wir doch verheiratet. Wenn wir nicht miteinander sprechen können, Tina, inmitten dieser Welt, die bloß darauf wartet, dass du dir irgendeine Blöße gibst ... Also Tina, wir müssen sogar miteinander sprechen! Und einer muss den anderen verstehen, sonst ist es einfach aus", sagt Felix. Und sie tun es. Grotesk und humorvoll manchmal, immer existenziell. Ein Tanz auf dem Vulkan, von dem keiner weiß, wie er enden wird.

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