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09.05.2019 | Werkstatt

Lange Nacht der norwegischen Dramatik


REGIE: Annette Gleichmann, Anna-Lena Kühner, Stefan Eberle, Ingo Putz


An diesem Abend stellen Schauspieler*innen des Konstanzer Ensembles fünf starke weibliche Stimmen der zeitgenössischen norwegischen Dramatik vor. In szenischen Lesungen geben sie uns einen exklusiven Einblick in neue Texte von Mari Hesjedal, Monica Isakstuen, Camara Lundestad Joof, Kathrine Nedrejord und Nelly Winterhalder. Anschließend ist das Publikum eingeladen, mit den Autorinnen sowie Vertreterinnen des norwegischen Zentrums für zeitgenössische Dramatik, Dramatikkens Hus, über das Erlebte ins Gespräch zu kommen.

Eintritt frei!

 


Sieh mich an, wenn ich mit dir rede

Schauspiel von Monica Isakstuen. Deutsch von Ulrike Kort

Zwei Eltern-Kind-Paare, Mutter-Sohn und Vater-Tochter, begegnen sich, um einander endlich Unausgesprochenes zu sagen. Während die Eltern permanent an ihre Grenzen stoßen, testen die Kinder eben diese Grenzen aus. Ein berührendes und tiefes Stück, welches die große Verunsicherung der Eltern thematisiert und das auf den Kern von Eltern-Kind-Beziehungen zielt: die Liebe zueinander und die verschiedenen Formen dieser.

Monica Isakstuen, geb. 1976, wuchs in Asker, Norwegen auf. Sie schreibt Lyrik, Prosa und Dramen. Ihre Texte sind in mehrere Sprachen übersetzt, neben den Skandinavischen auch ins Englische, Deutsche und Französische. Für ihren Roman Vær snill med dyrene (Elternteile) wurde sie 2016 mit dem renommierten Brage-Preis, dem wichtigsten Literaturpreis Norwegens, ausgezeichnet. Sieh mich an, wenn ich mit dir rede wird im Herbst 2019 in Norwegen uraufgeführt. Isakstuen ist 2018-2019 Hausautorin am norwegischen Zentrum für zeitgenössische Dramatik, Dramatikkens Hus. www.isakstuen.no


Fuchs und Wolf

Schauspiel für Jugendliche und Erwachsene von Nelly Winterhalder. Deutsch von Nelly Winterhalder

Es war einmal ein dürrer Fuchs und ein fetter Wolf. Beide sind in den dunklen, gurgelnden Wald geflohen: Der Fuchs ist auf der Jagd nach Kontrolle und Vernichtung des Körpers, den fetten Wolf hat einen grässlichen Hunger. Gemeinsam schmieden sie einen Bund und gehen auf dem schmalsten Pfad zum Ziel, zum dunkelsten Ende des Waldes: Denn jeder ist des Anderen größter Feind. Und dessen letzte Chance zugleich. In Fragmenten und Erzählungen stellt Nelly Winterhalder unsere Körperideale dem Tierischen gegenüber und öffnet auf poetische Weise das schwierige Thema der Essstörung für Jugendliche und Erwachsene.

Nelly Winterhalder, geb. 1979 in Südbaden, ist Dramatikerin, Regisseurin und Übersetzerin. Sie studierte an der Kunsthochschule in Oslo szenisches Schreiben, außerdem absolvierte sie ein Magisterstudium der italienischen Literatur sowie eine Schauspielausbildung in München. Seit 2006 lebt Winterhalder vorwiegend in Norwegen. Als Dramatikerin und Übersetzerin erhielt sie mehrere Auszeichnungen, zuletzt den Baden-Württembergischen Jugendtheaterpreis für die deutsche Übersetzung von Kristofer Grønskags Satelliten am Nachthimmel. Ihre Stücke wurden bisher in Norwegen, der Schweiz, Österreich, Italien und Nicaragua gezeigt. 2019 ist sie zum dritten Mal zum norwegischen Dramatikfestival eingeladen, Fuchs und Wolf wurde 2017 dort gezeigt. www.nellywinterhalder.com

 


Interniert

Schauspiel von Kathrine Nedrejord. Deutsch von Elke Ranzinger und Stefan Pluschkat

Um die norwegische Souveränität in den nördlichsten Teilen des Landes zu gewährleisten, schlossen die norwegischen Behörden Dorfschulen und ließen neue größere Internatsschulen bauen. So wurden samische, kvenische und norwegische Kinder gezwungen, im Schulalter von Zuhause wegzuziehen sowie auf die eigene Muttersprache zu verzichten. Interniert basiert auf Zeugnissen von Eltern, Kindern und Lehrer*innen, die von der Assimilierungspolitik des norwegischen Staates stark geprägt wurden.

Kathrine Nedrejord, geb. 1987, ist in Kjøllefjord im Norden Norwegens aufgewachsen. Die samisch-norwegische Autorin studierte Theater an der Universität Sorbonne. Seit ihrem Debut in 2008 hat sie drei Romane für Erwachsene und zwei Romane für Jugendliche veröffentlicht. Mit ihren Theatertexten wurde Nedrejord mehrmals zum norwegischen Dramatikfestival eingeladen, zuletzt 2017 mit Interniert. Ihr Stück Brent jord (Verbrannte Erde), wurde 2016 zum Ibsenpreis nominiert.  Seit 2018 ist sie Hausautorin am norwegischen Nationaltheater, Oslo. www.kathrinenedrejord.com

 


Frostschaden

Schauspiel von Mari Hesjedal. Deutsch von Elke Ranzinger und Stefan Pluschkat

Das Ende der Kaltwetterfront scheint nicht in Sicht. Überall frieren Menschen an Ort und Stelle fest. Im Schneetreiben, im Auto, fahren zwei Personen vorbei an Gesprächen, die sie hätten führen sollen, hinein in all die Morgen, die nicht stattgefunden haben. Nur die beiden, während Schnee die Straße verweht. Und die Welt weiß nichts. Und die Welt wird kälter und weißer. Und die Welt dreht sich vor allem um sich selbst. Und die Welt braucht warme Jacken und dicke Schals. Frostschaden erzählt von einer neuen Eiszeit, in der Wärme und Körperkontakt nur vage Erinnerungen bleibt.

Mari Hesjedal, geb. 1980, studierte Bühnen- und Kostümbild sowie literarisches Schreiben in Newport (Wales), London (England) und Bø (Norwegen). Hesjedal debütierte als Theaterautorin beim norwegischen Dramatikfestival in 2015, zu dem sie auch 2017 eingeladen wurde. Die letzten Jahre hat sie Theatertexte für u.a. Hordaland Teater (Bergen) und das Jugendtheaterprojekt Den Unge Scenen (Die junge Bühne) geschrieben. Frostschaden hat sie gemeinsam mit dem Regisseur Fredrik Lungva entwickelt. Mari Hesjedal ist 2018-2019 Hausautorin am norwegischen Zentrum für zeitgenössische Dramatik, Dramatikkens Hus. www.marihesjedal.com


Ich rede ständig darüber

Monolog für Jugendliche und Erwachsene von Camara Lundestad Joof. Deutsch von Sylvia Kall

Ich spreche ständig darüber ist ein Zeugnis, ein Appell und eine Selbstprüfung. Camara Lundestad Joof ist in Norwegen als Tochter einer norwegischen Mutter und eines gambischen Vaters geboren. Der Text beschreibt wie der Rassismus, dem sie ständig ausgesetzt ist, ihren Alltag infiziert und ihre Gedanken kontrolliert. Sie untersucht ihre Erinnerungen. Was wenn sie sich an etwas falsch erinnert, wie soll ihr jemand dann vertrauen können? Wie viele Details muss man sich merken, um glaubwürdig zu sein? Glaubt sie an sich selbst? Und kann sie sich jemals von der Frage der Hautfarbe befreien?

Camara Lundestad Joof, geb. 1988, ist eine norwegisch-gambische Performerin und Autorin. Ihre künstlerische Arbeit ist vor allem dokumentarisch und setzt sich mit Themen wie Intersektionalität, Dekolonialismus und Normkritik auseinander. Sie ist Teil der künstlerischen Leitung des integrativen Kinder- und Jugendtheaters Den Mangfaldige Scenen (Die vielfältige Bühne) und hat ihren autobiografischen Monolog Pavlos tispe (Pawlow'scher Hündin) über 200-mal für Jugendliche in ganz Skandinavien gespielt. Lundestad Joof ist 2018-2019 Hausautorin am norwegischen Zentrum für zeitgenössische Dramatik, Dramatikkens Hus. www.camarajoof.com


Ein Teil der Themenwoche zur norwegischen Dramatik

Norwegen ist nicht nur Fjorde, Öl und Lachs: Auch für seine reiche und anspruchsvolle Literaturszene ist das Land bekannt. So ist Norwegen im Oktober 2019 auch Gastland bei der Frankfurter Buchmesse. Mit Ich verschwinde und Meer befinden sich gleich zwei Stücke der renommiertesten gegenwärtigen Autoren Norwegens auf dem aktuellen Spielplan des Theater Konstanz. Nun nutzen wir diesen Anlass für eine einwöchige Entdeckungsreise der norwegischen Dramatik. Alte Meister und junge Shooting Stars: Erleben Sie packende Texte, berührende Momente und anregende Diskussionen mit skandinavischem Touch.

Hjertelig velkommen!