15.05.2020

Die sieben Todsünden


Ballett mit Gesang von Kurt Weill und Bertolt Brecht


Faulheit, Stolz, Zorn, Völlerei, Unzucht, Habsucht und Neid - das sind die Lebens- und Leidensstationen einer jungen Frau. Anna wird von ihrer Familie zum Anschaffen auf eine siebenjährige Reise durch Nordamerika geschickt, um Geld für „ein kleines Haus am Mississippi" zu verdienen. Doch das Überleben in der Welt ist immer wieder mit Anpassungen und sogar dem Verkauf der eigenen Seele verbunden. Unter dem psychischen Druck spaltet sich Anna in zwei Persönlichkeiten: Anna I, die versucht sich moralisch-durchdacht der Welt zu nähern, und Anna II, die ein sündhaft-naives Naturell vertritt. Die beiden befinden sich in steter Zwiesprache miteinander. Sie durchleben eine siebenjährige Reise durch sieben Städte und begegnen dabei den sieben Todsünden. Doch alle Opfer sind umsonst, die Familie wird mit jedem neuen Stein für das stetig wachsende Haus bösartiger und fordernder. Nach und nach gibt Anna ihre Träume und Ideale auf und kehrt zuletzt desillusioniert zu ihrer Familie zurück.

Das vor fast 100 Jahren entstandene Ballet Chanté Die sieben Todsünden ist die letzte gemeinsame Arbeit des Erfolgsduos Bertolt Brecht und Kurt Weill aus dem Jahr der faschistischen Machtergreifung 1933. Das Ballett ironisiert treffend die kleinbürgerliche Doppelmoral jeder Gesellschaft, die bereit ist, für ein bisschen Wohlstand ihre Werte zu opfern.