14.12.2019 | Spiegelhalle | 1:15h ohne Pause | Altersempfehlung 14+

Am Wasser


Theaterstück von Annalena Küspert
Uraufführung


An einem schönen Tag im Mai ist der Bodensee auf einmal schwarz gefärbt und niemand weiß warum. Während die Bürgermeisterin des schönen Örtchens das Tourismusimage wahren will, entdeckt Saliha das schwarze Wasser, abgefüllt in Flaschen, als Beautytrend, der sich übers Internet vermarkten lässt. Ihre Großmutter, die den Krieg im Ort erlebt hat, ist damit gar nicht einverstanden, denn sie sieht in der Wasserschwärze ein böses Omen. Und tatsächlich verhält sich der Vater von Salihas Freund verdächtig.

Hat die plötzliche Verfärbung etwas mit seiner Arbeitsstelle zu tun? Er arbeitet dort, worüber man am Bodensee ungern Worte verliert: Für die Rüstungsindustrie. Für Saliha wird die Zeit des dunklen Wassers zur Zeit der Entscheidung. Lieber weiter leise sein und mit ihrem Freund die Australienreise nach dem Abi antreten? Oder mit der Idylle brechen und politischen Widerstand organisieren?

Annalena Küspert, die selbst am Bodensee aufgewachsen ist, hat eigens für das Theater Konstanz ein neues Stück geschrieben, das nicht nur junge Menschen dazu auffordert mit wachen Augen in die Umgebung zu schauen.

Neben den durchweg scharfzüngigen Dialogen überzeugt der Einfallsreichtum bei der Szenengestaltung (Bühne: Steffi Rehberg). Alle Requisiten… …werden auf Rollen herein- und wieder herausgeschoben. Dadurch ergibt sich nicht nur eine planspielartige Dynamik, sondern mithin ein passendes Bild für die Bewegung des Verdrängens einerseits und so manch blinden Aktionismus andererseits…
Erfrischend angriffslustig rüttelt das Konstanzer Theater sein Publikum ordentlich aus dem Sessel, irritiert womöglich das gediegene Selbstverständnis des einen oder anderen Zuschauers.
Björn Hayer, der Freitag, 16.1.20
Das Stück beginnt mit einer starken Metapher: Das Wasser des Bodensees ist plötzlich schwarz. Gelungen ist hier die Einbindung von kurzen Videos auf dem großen Bildschirm an der dunkelgrauen Rückwand der Bühne. Als überengagierte Volontärin von Regional TV macht Friederike Drews eine gute Figur beim Interview eines ‚besorgten‘ Schwimmers (ebenfalls Ralf Beckord).
Sara Siri Lee König ist die ideale Besetzung für Saliha. Sie hat den #YOLO-Sprech ebenso drauf wie das quirlig-naive Influencerinnen-Auftreten.
Thomas Eckes Ulrich Schmitt von der Stadt hingegen, der sich von der Oberbürgermeisterin allerlei Schikanen gefallen lassen muss, gleicht dem Verwaltungsbeamten wie er im Buche steht – Bleistiftspitzmaschine (Ausstattung: Steffi Rehberg) inklusive.
Franziska Spanner, seemoz, 13.1.20
Insbesondere die alte Mathematiklehrerin Gerti, von Jana Alexia Rödiger anrührend intensiv gespielt, schmerzt die vertane Chance nach 1945, denn der Bombenangriff sollte die schon damals ansässige Waffenindustrie zerstören.
…Sarah Siri Lee König spielt die Rolle der Saliha in ihrer Wandlung von der naiven, marktgeilen Bloggerin hin zu einer jungen Frau, die nicht in politischen Kategorien denkt, aber aufrichtig davon überzeugt ist, dass es eine Welt in Frieden – ohne Waffen – geben müsse. Peter Posniak verkörpert den Jan als jemanden, der liebt und versteht und der zwischen den Fronten zerrissen wird. Immer wieder lässt Küspert durchscheinen, dass die Liebe zwischen den beiden trotz aller Ereignisse nicht aufhört; und Sarah Siri Lee König und Peter Posniak beglaubigen das in ihrem Zusammenspiel.
… Ralf Beckord spielt diesen Unternehmer hier wunderbar aasig und führt beeindruckend die Rhetorik von Menschen vor, die keine Scham zeigen, Waffen herzustellen.
…Aber Küspert entfaltet in „Am Wasser“ nicht nur die Ebene des Konflikts der alten Generation (Gerti und Unternehmer) und der jungen Generation (Saliha und Jan), sondern bezieht auch die (lokal)politische und wissenschaftliche Ebene mit ein. Die Regie von Nicola Bremer verstärkt die schon im Text vorherrschende Tendenz, diese beiden Ebenen zu kabarettistischen Glanznummern zu machen. Friederike Drews als Oberbürgermeisterin und Thomas Ecke als Laborant ragen dabei heraus.
… Entstanden ist eine Inszenierung, die die Verdrängungsprozesse in unserer Gesellschaft nachdrücklich und schmerzhaft offenlegt. Küspert ist ein spannendes Stück gelungen, das, wenn es auch auf die Region des Bodensees fokussiert ist, über das Regionale hinaus für alle wichtig wird. Denn es stellt die bedrängende Frage: Wie kann es einen Frieden ohne Waffen geben?
Manfred Jahnke, Die deutsche Bühne Online, 15.12.19
Das bewusst auch für ein jugendliches Publikum von Annalena Küspert geschriebene und Nicola Bremer inszenierte Stück "Am Wasser", das am Samstag in der Spiegelhalle Premiere hatte, hat freilich das Zeug dazu, die Diskussion über Rüstungsindustrie am See, ihrer Geschichte und ihrer Folgen, mit einem Ausrufezeichen in die Öffentlichkeit zu rücken - denn hier wurde ein höchst spannendes und vor allem vielschichtiges Werk auf die Bühne gebracht…Oliver Fiedler, Singener Wochenblatt Online, 17.12.19
„Am Wasser“ sowie seiner Inszenierung durch Nicola Bremer liegt nicht der laute Knall am Herzen, sondern Nach- und Umdenken im Sinne der Aufklärung.
…Insbesondere Sarah Siri Lee König zeichnet ein imponierendes Bild von der jungen Frau, die plötzlich erkennt, dass nicht alles Spiel ist und ihren Youtube-Kanal dafür nutzt, zu mobilisieren. Den Live-Videos (…) ist anzumerken, dass Regisseur Bremer mal selbst Youtuber war. Sehr überzeugend, wie sie in den Fortgang der Ereignisse eingebunden werden und diese selbst vorantreiben. Saliha wird zur Gegenspielerin vom Mann im Anzug, der immer mehr in die Defensive gerät. Ralf Beckord und Sarah Siri Lee König spielen auf Augenhöhe.
…Ein Stück und eine Inszenierung, die das Potenzial haben, etwas in Gang zu bringen.
Maria Schorpp, Südkurier Online, 16.12.19

NÄCHSTE VERANSTALTUNGEN


AUSSTATTUNG / BÜHNE: Steffi RehbergKOSTÜME: Steffi RehbergDRAMATURGIE: Elisa ElwertMIT: Friederike Drews, Jana Alexia Rödiger, Sarah Siri Lee König, Peter Posniak, Ralf Beckord, Thomas EckeMUSIK: Saga Björklund JönssonWEITERE: Nicole Greue, Theresa Storch, Ali Demir, Klara Steiger, Annika Stross, Lela Mader, Holger Bueb, Julia Just, Dennis von der Bey, Tina Lubold, Nikolina Klaric