Der Kaukasische Kreidekreis

Premiere, am 22.09.2006, Stadttheater

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Kategorie:  Schauspiel
Preis:  8,- bis 25,- Euro

In alter Zeit, in blutiger Zeit / Herrschte in dieser Stadt, die Verdammte genannt, / Ein Gouverneur mit Namen Georgi Abaschwili. / Er war reich wie der Krösus. / Er hatte eine schöne Frau. / Er hatte ein gesundes Kind. Nachdem die Fürsten einen Aufstand gegen den Gouverneur angezettelt haben, flieht die Frau des Gouverneurs aus der Stadt. Zurück bleibt, auf einem Haufen edler Stoffe, sein Kind. Die junge Dienstmagd Grusche Vachnadze nimmt sich des Kindes an und  da sie es von den Schergen des Fürsten verfolgt sieht flieht mit dem fremden Kind als einzigem Gepäck ebenfalls. Auf ihrer Flucht lernt sie die Hartherzigkeit der Menschen kennen, wird ausgebeutet und ausgenutzt, mehr als einmal entrinnt sie nur mit knapper Not dem Verrat von Menschen, die zuerst ihren eigenen Vorteil im Blick haben. Schließlich heiratet sie, um selbst endlich unterzukommen und einen Stempel für Michel zu haben, auf dessen vermeintlichem Sterbebett einen Schwerkranken, der allerdings alsbald zu neuem Leben erwacht, als er erfährt, dass der Krieg vorbei ist. Bald kehrt auch die Frau des Gouverneurs zurück, und es dauert nicht lange, bis deren Schergen das Kind ausfindig gemacht und zurück in die Stadt geschleppt haben, wo nun Grusche vor Gericht gestellt wird. Aber die Wechsel der Geschichte haben einen zum Richter gemacht, der eine eher bauernschlaue Art der Rechtsausübung pflegt, und vor diesen Richter kommt der Rechtsstreit um die Mutterschaft des Jungen Michel. Und der Richter fällt in wahrhaft salomonischer Weise sein Urteil. Er lässt auf den Boden mit Kreide einen Kreis ziehen und das Kind hineinstellen. Nun sollen beide, die leibliche und die Ziehmutter, einen Arm des Kinds ergreifen und es aus dem Kreis herausziehen. Da Grusche nicht vermag, dem geliebten Kind Schmerz zuzufügen, erweist sie sich als die wahre Mutter und erhält das Kind zugesprochen.
Bertolt Brecht kannte die Fabel des Kreidekreises schon lange, bevor er 1944 im amerikanischen Exil begann, sein Stück zu schreiben. Und erst nach seiner Rückkehr in das zerstörte Berlin kommt es, erneut überarbeitet, in seiner Inszenierung auf die Bühne des Berliner Ensembles. In diesem Stück, einem Lehrbuchbeispiel für seine Form des Epischen Theaters, beantwortet er die Frage nach dem Eigentum, daß da gehören soll, was da ist / denen, die für es gut sind. Exemplarisch verhandelt er das Schicksal eines Menschen, der, selbst einer von den Schwächsten, dennoch einem andern die helfende Hand entgegenstreckt.
Die kluge und dabei doch sehr lustvolle Umsetzung des Stücks durch Martin Nimz spielt mit den Ansichten und Einsichten Brechts zum Theater, setzt sich in leichtfüßiger Weise mit dem Epischen Theater auseinander und stellt zugleich die Frage, warum es meist gerade die Schwachen sind, die sich zur Güte verführen lassen.

Presserezensionen

26.09.2006
26.09.2006, St. Galler Tagblatt
25.09.2006, Thurgauer Zeitung