"Katz und Maus" von Günter Grass hat es in sich: Nach der Schlagzeile mit entsprechendem Foto in der Bildzeitung "Hier onaniert ein Schauspieler" hat das Stadttheater viele Anrufe von aufgeregten Pädagogen bekommen. Sie fragen: Kann ich mit meinen Schülern in dieses Stück? Nun schaltet sich sogar Oberbürgermeister Horst Frank ein.
Bild: dpa Blanke Hintern in "Katz und Maus" - ein Grund dafür, dass Lehrer nicht mit ihren Schülern in die Konstanzer Inszenierung der Novelle von Günter Grass gehen? Konstanz - Theaterintendant Christoph Nix versteht die Aufregung nicht ganz: "Mein 13-jähriger Sohn war mit dabei und das war kein Problem. Es ist eine ästhetische Aufführung." Das Publikum sieht in der Konstanzer Inszenierung von Günter Grass' "Katz und Maus" einige blanke Hintern. Was man nicht sieht, ist das Onanieren, allerdings wird glaubhaft dargestellt, dass es noch zum Höhepunkt kommt. Aus diesem Grund scheinen etliche Schulen nun vor dem Besuch der Welturaufführung des Jungen Theaters zurückzuschrecken. Die Vormittagsaufführungen werden nur zögerlich gebucht und fallen bisweilen ganz aus. Im Theater fragen Pädagogen verschiedener Schulen nach: Kann ich mit meinen Schülern wirklich in dieses Stück?
Peter Müller-Neff, Lehrer an der Mädchenrealschule Zoffingen und Gemeinderat der Grünen-Fraktion, wollte eigentlich mit seinen Schülerinnen das Stück ansehen. "Ich glaube, dass wir offen und natürlich mit dem Thema Sexualität umgehen und uns als Pädagogen auch der Diskussion stellen sollten." Er halte "Schule vor Ort" für eine gute Ergänzung zum Unterricht im Klassenraum. Das Theater habe andere Möglichkeiten, der anschließende Diskurs in der Schule werde bereichert. "Die Rolle des Theaters sollte durchaus die Provokation und die Überzeichnung von Alltag sein", glaubt Müller-Neff. Trotzdem ist er inzwischen etwas skeptisch, was den Theaterbesuch betrifft. Denn als er den Theaterbesuch plante, wusste er nicht, dass die Inszenierung die Empfehlung "Frei ab 16" hat. Seine Neuntklässlerinnen sind aber erst 14 oder 15 Jahre alt. "Ich werde das jetzt in der Klasse besprechen", sagt Peter Müller-Neff.
Um die Wogen etwas zu glätten, hat sich Oberbürgermeister Horst Frank in die Diskussion eingeschaltet. "Es lohnt sich absolut, dieses Stück anzusehen. Immerhin handelt es sich auch um eine Welturaufführung. Das erleben wir nicht alle Tage in dieser Stadt", sagt Frank. Die Diskussion um Obszönitäten auf der Bühne versteht Frank nicht. Sexualität sei etwas, "das zum Erwachsenwerden dazu gehört", sagt Horst Frank. Er selbst könne sich noch gut erinnern, als die Verfilmung der Novelle ins Kino kam. "Damals hat man sich darüber aufgeregt, wie Peter Brandt mit dem Mutterkreuz gespielt hat", erinnert sich Frank.
Außerdem müsse am Ende wohl eher eine andere Frage beantwortet werden: "Was ist denn obszöner: der Krieg oder das Onanieren?", fragt der Oberbürgermeister. "Die jungen Leute haben mit Sicherheit in ihrem Leben Drastischeres gesehen als diese blanken Hintern", sagt Horst Frank. Sein Appell: reingehen und dann urteilen.