Gutsbesitzer Puntila aus Lammi in Finnland führt ein glückliches Leben,
solange er sturzbetrunken ist. Er liebt die Menschen, schätzt den Chauffeur
Matti als seinen besten Freund, sorgt sich um seine Tochter Eva und verlobt
sich, vor Potenz wie vor sozialem Engagement strotzend, gleichzeitig mit der
Telefonistin, dem Kuhmädchen, der Schmuggleremma und dem Apothekersfräulein.
Mittsommersonne! Sauna!! Birkenruten, Krebse, Schnaps!!! – In ärgerlichen
Anfällen von »totaler, sinnloser Nüchternheit« jedoch wird er zurechnungsfähig.
»Ein zurechnungsfähiger Mensch ist ein Mensch, dem man alles
zutrauen kann.« Dann verwandelt er sich in den Mann, der zu sein ihn seine
gesellschaftliche Stellung zwingt: In den hartherzigen Großgrundbesitzer und
kalten Patriarchen, der seine Tochter in eine Geldheirat zwingen will, politisch
engagierte Knechte vertreibt und nur seinen persönlichen Vorteil lebt. Lässt
er sich volllaufen, wird er wieder er selbst und bereut sofort alles Vorgefallene.
Mit Brechts 1940 im finnischen Exil entstandenen Volksstück stellt sich Wulf
Twiehaus mit seiner ersten Konstanzer Regiearbeit als neuer Oberspielleiter
vor. In der Spielzeit 2007–2008 werden weitere folgen.
25.09.2007, St. Galler Tagblatt