»nach Moskau« lauten der Ruf und die große Sehnsucht der Schwestern Irina,
Mascha und Olga. Seit dem Tod des Vaters vor einem Jahr zielt all ihr Ho¤en auf
die Stadt ihrer Kindheit. Elf Jahre ist es her, seit sie von dort weggezogen sind, weil
der Vater General der Brigade einer kleinen Provinzstadt wurde. Und wie ein Ort
der Verheißung lebt die Erinnerung in ihnen fort. Alle Ho¤nung auf eine Rückkehr
liegt nun bei ihrem Bruder Andrej: Über eine Professur in Moskau soll er
ihnen den Weg dorthin ebnen.
Während Andrej mit einer Anstellung als Sekretär in der Landverwaltung und
durch die Heirat mit Natascha längst andere Tatsachen gescha¤en hat, heroisieren
die Schwestern eine unbestimmte Zukunft. Um ihrer passiven, untätigen Gegenwart,
den Fragen nach Sinn und Glück im Leben zu entgehen, flüchten sie sich in
philosophische Debatten.
Olga, die als Lehrerin alle Kraft in ihre Aufgabe am hiesigen Mädchengymnasium
investiert, träumt davon zu heiraten, um endlich zu Hause bleiben zu können.
Mascha, die mittlere der Schwestern, seit sieben Jahren mit ihrem ehemaligen
Gymnasiallehrer verheiratet und längst desillusioniert von ihrem einstigen Idol,
beginnt ein Verhältnis mit dem Batteriechef Oberstleutnant Werschinin. Irina, die
jüngste, heftig umworben sowohl von Baron Leutnant Tusenbach als auch von
Hauptmann Soljony, hält am längsten ihren Appell zu einer Rückkehr nach Moskau
aufrecht. Sie glaubt, dass ihr nur dort, in der Metropole, die große Liebe und damit
ihr Glück begegnen kann.
Am Ende wird die Garnison abgezogen, die Soldaten verlassen die Stadt. Die ungeliebte
Schwägerin Natascha rodet den Garten der Schwestern. In ihr manifestiert
sich die Vertreterin einer neuen Zeit.
Anton Tschechow beschreibt in seinen Drei Schwestern eine Zeitenwende. Aber Auf bruch
oder Stagnation sind Themen nicht nur der Schwestern bei Tschechow: Ob im Gegenwärtigen
verharren oder den Aufbruch ins Unbekannte wagen, stellt sich als Frage beinahe
in jedem Leben.