Milchshakes in der Milchstraße

Dem wahren Grill-Freak geht es mehr um die Sache als um die Wurst. Trotzdem: Wo es nichts zu brutzeln gibt, ist der schönste Grill für die Katz. Oder für den Hund beziehungsweise die Hunde. Nachdem Sput und Nik schon die Grillwurst des Nachbarn gefressen haben, können sie auch noch gleich seinen Kugelgrill für ihre Zwecke entfremden. Der Endzweck bei den beiden heißt immer: Fressen.
Wobei man sich nicht bei ordinären Vielfraßen befindet. Sput und Nik, die Hunde, sind nicht einfach hinter der Wurst her. Der Mond-Lampion in Nachbars Garten regt ihre Hunde-Phantasie an. Wenn das da oben der Mond ist, dann ist das da unten im Garten nicht einfach Wurst, sondern ein Meteorit, eine Sternschnuppe. Und die kommt von oben. Also nichts wie hinauf in den Orbit.
Sehr viele komische und bezaubernde Ideen hat Gertrud Pigor ihren zwei Astronauten auf den Leib geschrieben und sie in einer Uraufführung auch auf die Bühne gebracht. „Sput und Nik – acht Pfoten im Weltall“ wird im fürs Kindertheater verkleinerten Bühnenraum der Spiegelhalle viel leidenschaftlich mitgehendes kleines Publikum erleben. Das komische Paar hat das Zeug zum Verlieben.
Susi Wirth und Stefanie Meyer sind die zwei Schlitzohren, die den Lauf der Welt nach ihren Vorstellungen zu gestalten wissen (ein etwas begriffsstutziger Nachbar in Hawaiihemd und Grillschürze, wie Yannick Zürcher ihn zum Besten gibt, steht da auf verlorenem Posten). Auf der Drehbühne im Halbrund sind sie die Stars. Nur noch dieser wundervolle Sternenhimmel, den Anne Weiler über den Bühnenboden gehängt hat, kommt da mit.
Da hebt nun also der zum Raumschiff umdeklarierte Kugelgrill mit viel Qualm ab. Der Mann im Mond, der gleich zu Anfang von Gus Backus angekündigt wird, ist ihr erstes Ziel. Das Naheliegende weit draußen im All ins Bild zu setzen ist eine Stärke der Inszenierung. Der Mondmann trägt Moonboots, in der Milchstraße gibt es Milchshakes, und auf dem Zwergplaneten Pluto sitzt solch ein giftiger kleiner Kerl und schimpft den Himmel an. Letzteres eine herrliche Szene für Yannick Zürcher, der all diesen Außerirdischen ihren eigenen Charme verleiht.
Teamarbeit ist diese Inszenierung, in der Musik, Tanz und Ausstattung die gleiche Wertigkeit zukommt wie dem Text. Da werden Grillpfannen im Handumdrehen Teil eines galaktischen Raumanzugs à la „Krieg der Sterne“, auf den Planeten tanzt der Hund von Jeannette Neustadt choreographiert, und dazu klingen die Erkennungsmelodien von Jan Fritsch. Ein kleines Gesamtkunstwerk also.
Am Anfang ist aber das Wort, das Gertrud Pigor mit ihrem für das Theater Konstanz geschrieben Kinderstück für die ab Vierjährigen für viele kleine Ideen nutzt. Und eins ist sicher am Ende: Wurst gibt's doch nur auf Erden in Nachbars Garten.
Maria Schorpp

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