Eine Jugend in Zitaten

Das Junge Theater feiert eine temporeiche Premiere des Stücks „Z“ im Audimax
„Unsere Generation hat keinen großen Krieg, keine große Depression. Unser großer Krieg ist ein spiritueller, unsere große Depression ist unser Leben.“ Man würde es Lea wünschen, sie könnte diese Diagnose mit all ihren Emotionen ausspeien, schließlich hätte sie dann noch etwas, das aus ihrem tiefsten Inneren kommt. Doch die Tragik ihrer Figur und ihrer „Generation Z“ ist, dass nicht einmal diese Worte ihr gehören: Sie stammen aus dem Film „Fight Club“ und sind nur eines der Zitate und Nachahmungen, die für Lea zum Leben wurden.
Schnelle Dialoge, rascher Schlagabtausch: Andreas Bauer inszeniert temporeich „Z“, ein treffendes Bild der Befindlichkeit einer jungen Generation, die ihr Ziel aus den Augen verloren hat. Das leere Audimax wird zur zentralen Metapher des Stückes. Unendlich groß scheint der Raum ihrer Möglichkeiten, und dennoch ist er ihr Gefängnis: Die Studenten Tizian (Johannes Merz) und Lea (Jessica Rust) sind für eine Nacht im Audimax eingesperrt. Ihr Kerker wird zugleich zum Spielort ihrer Wünsche und Sehnsüchte, doch noch vielmehr zum Abbild ihrer inneren Leere, wenn sie bis zum Morgen über den Sinn ihrer Lebensweise philosophieren.
Es ist der Leistung von Merz und Rust zu verdanken, dass ihre Figuren nicht künstlich wirken. Rust lässt die exzentrische Lea als modernen, weiblichen Dandy auftreten: Hinter Ironie verbirgt sich Leere. Merz prägt den Tizian als unterschwellig aggressiven Durchlaufstudenten: Er interessiert sich nicht wirklich für sein Studium, will lediglich den Abschluss – und verpasst dabei das Wesentliche einer Lebensphase. Den Höhepunkt erreicht die Inszenierung, wenn die Figuren ihr Leben in Zitaten gleichsam abbilden wie karikieren – und dennoch ist genau dies der Moment, in dem sie wirklich leben.

zur Veranstaltung