Schreibwerkstätten

Innerhalb eines halben Jahres haben die JVA´s unterschiedliche Schreibangebote zum Thema Isolation, Leben und Alltag im Gefängnis erhalten. Die Umsetzung erfolgte durch das Personal vor Ort. Im Folgenden werden Ausschnitte dieser Arbeit vorgestellt.

Isolation bedeutet für mich:

…wenn die Tür zugeht und ich weiß, dass ich sie nicht selbst öffnen kann.
…Besuchssperren.
…kein Kontakt zur Familie.
…leerer Kopf, stumpfe Gedanken.
…wenn ich erst 3 Wochen später erfahre, dass ein Familienangehöriger erkrankt ist.
…ein ängstliches Ohnmachtsgefühl, ausgeliefert zu sein.

Das Erleben der Pandemie

Covid-19 hat eine zusätzliche Mauer um die JVA gezogen. Eine erbarmungslose Mauer - die Steine aus Viren, der Mörtel aus Angst und Unsicherheit. Da gar nichts mehr geht, fühle ich mich wie in einer Seifenblase gefangen. Die Zeit scheint still zu stehen. Ich spüre, noch stärker von der Außenwelt abgeschnitten zu sein.  Sollte ich Corona danken? Ja! Sollte ich Corona verfluchen? Ja! Für die vielen Toten. Für die Einsamen. Corona hat hier nichts und doch alles verändert.

Gedanken, Gedichte, Lieder

Morgen schreib ich für euch irgendetwas.
Geht lieber raus und esst was.
Meint Corona sei so schlimm wie Knast.
Doch abends gibt es gemütlich Lachs.
Während mein Bruder in Ungewissheit lebt und in meiner Stadt der Asphalt bebt
bist du einer, der nichts versteht.


Jeden Tag in der Zelle.
Riesengroße Stille
4 Wände um mich herum.
Jeden Tag in der Zelle.
Sie rückt mir auf die Pelle.
 
Seit Jahren hinter verschlossener Türe.
Eingesperrt mit Ungewissheit, die deine Tage bestimmen.
Kein Kontakt mehr mit der Außenwelt.
Ich frage mich jeden Tag wie lange diese Einsamkeit noch geht.
Doch gebe ich die Hoffnung nicht auf.
Denn wahrscheinlich sollte das meine Lebensaufgabe sein.
Sehnsucht nach Freiheit, Familie, Freunde.
Mein Herz ist kalt wie Eis.
Allein sein mit totaler Stille, zerfrisst dich von innen.
Keiner kann dir helfen.
Knast ist eine Spirale.
Musst selbst gucken wie du rauskommst.
Sitze jede Nacht in meiner Zelle und mache mir Gedanken über die Zukunft.
Mir fehlt ein bisschen der Glaube. Doch meine Hoffnung kriegt keiner, denn die stirbt zuletzt. Oft führe ich Selbstgespräche und frage mich, ob das alles ein Ende hat.
Eins habe ich gelernt.
Kopf hoch und lass dich nicht beeinflussen von anderen. Glaub an dich. Lern dich besser kennen und lieben.
Was anderes bleibt dir nicht übrig.